Maras Metamorphose

Mara war nicht der Typ Frau, nach dem sich Männer umdrehten. Nicht im Club, nicht auf der Straße. Sie hatte eine süße Ausstrahlung, war hübsch, aber unscheinbar. Immer zu leise, zu zurückhaltend. Selbst in engen Kleidern fühlte sie sich fehl am Platz, als würde sie eine Rolle spielen, die ihr nicht stand.

Während ihre Freundinnen an der Bar flirteten, stand sie meist daneben, mit einem halb geleerten Glas in der Hand, und wartete darauf, dass jemand sie bemerkte. Doch niemand tat es.

Bis zu dieser einen Nacht.

Eine von ihnen – Jana, selbstbewusst, laut, immer im Mittelpunkt – hatte ihr vom schnellen Geld erzählt.

„Du sitzt nur vor der Kamera, tust, was du willst – die zahlen für ALLES“, hatte sie gesagt und dabei ihr Weinglas geschwenkt.

Mara lachte unsicher. „Ich? Vor der Kamera? Ich wäre ein totaler Reinfall.“

„Ach was. Das ist die große Täuschung. Die Kerle stehen auf unschuldig. Schüchterne Mädchen, die langsam auftauen. Die zahlen dafür, zuzusehen, wie du dich entdeckst.“

Der Gedanke ließ Mara nicht los. Zwei Nächte später saß sie vor ihrem Laptop. Das Licht in ihrem Zimmer war gedämpft, ihre Hände zitterten, als sie sich einloggte. Das Profil hatte sie “SweetMara” genannt – unverfänglich, harmlos.

Ihr erster Stream war zögerlich. Sie trug ein schlichtes, enges Top ohne BH darunter, ihre Brüste zeichneten sich sanft unter dem Stoff ab. Die Kommentare flogen sofort ein.

„Wow, du bist süß. Dreh dich mal.“
„Zeig uns mehr. Niemand ist hier, um zu reden, Baby.“

Ihre Finger streichelten nervös den Saum ihres Tops. Ihre Wangen glühten. Aber dann dachte sie an das Geld, an die Fantasie, an den Reiz, jemand anderes zu sein.

Mit einem tiefen Atemzug zog sie den Stoff nach oben.

Die Zahlen sprangen in die Höhe.

50 Dollar. 100 Dollar. 200 Dollar.

Sie ließ es geschehen. Ließ sich treiben. Wurde mutiger.

Zwei Wochen später war Mara nicht mehr das schüchterne Mädchen aus dem Club. Vor der Kamera war sie eine Göttin der Lust, eine Königin, die Männer aus aller Welt dazu brachte, ihre Kreditkarten zu zücken. Sie lernte, wie sie ihre Stimme senken musste, wie ein gehauchtes „Daddy“ die Beträge verdoppelte. Sie erkannte, dass Macht nicht laut sein musste – manchmal lag sie in einem leichten Lippenbeißen, in einem verlangenden Blick in die Kamera.

Sie spielte mit sich, während Tausende zusahen. Sie kam, lauter als je zuvor, ihre Finger tief zwischen ihren Schenkeln, während die Chatbox explodierte.

„Heilige Scheiße, du bist perfekt!“
„Ich zahle 500 für eine private Show.“

Und so ging es weiter. Nacht für Nacht. Striptease, Dirty Talk, Toys – nichts war mehr tabu.

Das Mauerblümchen war verblüht.

Punchline:
Jeder hat eine dunkle Seite. Man muss nur den richtigen Moment finden, sie zu entfesseln.

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